documenta X - home 21. Juni - 28. September 1997
Tunga: Interview
Die nächsten Projekte / zum Konzept der documenta X
Ich bin mitten in der Vorbereitung meiner Ausstellung in New York, einer Art Retrospektive meiner letzten 20 Jahre. Das erschreckte mich zuerst, weil ich ja erst Mitte 40 bin. Aber so ein Überblick entspricht eigentlich meiner Vision überhaupt, weil ich meine Arbeit eher als ein Programm sehe, in dem ein Werk ein weiteres unterstützt. Eine ältere Arbeit wird durch eine jüngere neu gelesen.

Das ist, denke ich, auch eine Idee, die im Konzept von Catherine David steckt. Sie zeigt diese historischen Ausstellungen, die unglücklicherweise in einer deutschen musealen Struktur erstarrt sind, die es z. B. nicht erlaubt, daß die Leute die Werke von Lygia Clark oder von Hélio Oiticica anfassen, was aber zu deren Eigenart gehört. Trotzdem weist sie darauf hin, daß sich das Paradigma der zeitgenössischen Kunst nicht mehr aus einer Kritik der Moderne ergibt, wie es der Postmodernismus vorgab. Es ist eher eine positive, neue Lesart des Potentials des Moderne, andere und neue Möglichkeiten entstehen zu lassen, was heute ja geschieht. Die Ausstellung mag auf visueller Ebene nicht so stark sein, aber sie zeichnet einen sehr klaren und deutlichen intellektuellen Weg. Wenn sich die documenta mit Lygia Clark, Oiticica, Matta Clark, Baumgarten und anderen auseinandersetzt, markiert sie eine Haltung zum Programm der Moderne, um es perspektivisch zu analysieren und nicht, um es zu kritisieren oder um mit den technologischen Möglichkeiten der Computer die Stile zu vermischen. Sie überdenkt die Diskontinuität der Welt im Kontext einer neuen Realität, die nicht mehr nur Europa und Nordamerika ist. Sie ist etwas viel umfangreicheres, womit ich aber auch nicht die Globalisierung meine. Das ist das, was mir bei dem wenigen, das ich bisher von der documenta sehen konnte, positiv erscheint und das auch meinen eigenen Überzeugungen entspricht.  [Ende]
Tunga: Performance
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Tunga / Interview - 3 Tunga - Start

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