documenta X - home 21. Juni - 28. September 1997
Tunga: Interview
Tunga

... die Zuneigung, die Körperlichkeit sind auch Arten des Denkens

Nach einem Interview am 27. Juni 1997 aufgeschrieben von Pat Binder und Gerhard Haupt.
Fotos von der Performance in Kassel.


Ausgangspunkte für die Arbeit in Kassel

Ein Ausgangspunkt für mein Werk in Kassel war die Arbeit, die ich in New York anläßlich des 10. Jahrestages der Katastrophe von Tschernobyl zeigte. Sie ist dem Einsatztrupp gewidmet, der die gefährlichsten Rettungsarbeiten zu leisten hatte. Es handelt sich dabei um eine Parodie auf einen Teilchenbeschleuniger in den Straßen von New York. In einer Gegend, wo sonnabends und sonntags viele Leute sind, ließ ich sieben Männer in einer Möbius-Schleife laufen. Sie gingen immer in derselben Richtung, so daß sich ihre Wege an bestimmten Punkten kreuzten. Die sieben waren in weiß und in Jeans gekleidet, und jeder hatte einen Koffer dabei. Jedes Mal wenn einer den anderen traf, öffneten sich ihre Koffer, der Inhalt fiel heraus und ein Fotograf machte eine Aufnahme. Es war eine perfekte Parodie auf einen Teilchenbeschleuniger, bei dem zwei Partikel aufeinanderprallen und auf einer Fotoplatte aufgezeichnet wird, was im Kernzentrum passiert, das in diesem Falle die Kofferträger sind. Dabei sah man den mysteriösen Inhalt, und der bestand aus Fragmenten eines menschlichen Körpers, ohne den Torso, das heißt ohne die Zeichen der Sexualität. Nachdem sie auf den Boden gefallen waren, nahmen die Typen diese Fragmente, die voller Gelatine waren, reinigten sie, sammelten sie wieder auf und verstauten sie im Koffer, als wenn nichts geschehen wäre. Körperteile in einem Koffer sind ja ein klassisches Verbrechen, und hier wird die Verbindung zwischen einem individuellen Verbrechen, das den Mysterien der menschlichen Leidenschaft entspringt, und einem großen, kollektiven Verbrechen gegen die Menschheit, das aus der Logik der Wissenschaft resultiert, hergestellt. Dazu gibt es einen Text, der diese Performance beschreibt als wenn es sich um ein wissenschaftliches Ereignis handeln würde.   weiter >> Tunga: Performance
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Tunga - 1 Interview - 2

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