documenta X - home 21. Juni - 28. September 1997
Hélio Oiticica - Biographie
Hélio Oiticica Geboren 1937 in Rio de Janeiro, gestorben 1980 dortselbst.
Hélio ist der Sohn des Entomologen, Fotografen und Malers José Oiticica Filho und der Enkel des Intellektuellen und Anarchisten José Oiticica.

1954 Studium an der Escola do Museu do Arte Moderna in Rio de Janeiro bei Ivan Serpa, wo er auch Kurse für Kinder gab. In dieser Zeit las er ausführlich Kant, Heidegger und Nietzsche. Er fühlte sich zum Konstruktivismus hingezogen und wurde Mitglied der »Grupo Frente«, 1959 der »Grupo Neoconcreto«.
1957 und 1959 Teilnahme an der Biennale von São Paulo.
1969 Einzelausstellung in der Whitechapel Gallery in London.

Frühe Arbeiten Oiticicas wie de »Metaesquemas« von 1957- 58 stehen in der Tradition des Konkretismus; sie können als radikale Reflexion über die Strukturkomponenten von Malerei (Farbe und Raum) und die Auflösung der zwischen ihnen bestehenden Spannungen gesehen werden. Serien wie »Relieve Espacial« und »Núcleo« mit in verschiedenen Winkeln angeordneten ebenen Flächen, die Raum als Aspekt in das Werk einbeziehen, markieren 1959 den Übergang zu drei-dimensionalen Arbeiten.

In einer wichtigen Serie aus der Mitte der 60er Jahre mit dem Titel »Bólides« verwendete Oiticica mit Farbpigmenten und Erde gefüllte Glasbehälter und Schachteln in der Absicht, der »Farbe eine originale Struktur . . . zu verleihen«. In der gleichen Periode entstanden die »Parangolés« (Slangausdruck für aufgeheizte Situation), deren Teilnehmer mit Umhängen, Bannern oder anderen Kleidungsstücken versehen waren. In diese Periode fällt auch seine Teilnahme an den Paraden des Karneval von Rio und den Sambafestivals.

1967 stellte Oiticica in Rio de Janeiro mit Tropicália ein labyrinthhaftes Environment mit Papageien, Pflanzen, Sand, Texten und einem Fernseher aus - eine Satire auf die Klischees brasilianischer Kultur und Kommentar zu dem in der Dritten Welt herrschenden Konflikt zwischen Tradition und Technologie. Auch in späteren Arbeiten legte er Wert auf Mitwirkung der Betrachter und regte sie an, über die kulturellen, sozialen und ökonomischen Bedingungen Brasiliens zu reflektieren. Aufgabe des kurz nach seinem Tode angeregten Projeto Hélio Oiticica ist es, sein Werk zu bewahren und bekannt zu machen.

Retrospektiven:
1986 Paço Imperial, Rio de Janeiro; 1987 Museu de Arte Contemporânea da Universidade de São Paulo; 1992 Witte de With Art Center, Rotterdam; 1992 Musée du Jeu de Paume, Paris.

Gruppenausstellungen:
1970 »Information«, The Museum of Modern Art, New York; 1987 »Brazil Projects«, Institute for Contemporary Art, P.S. I Museum, Long Island City, New York; 1988 »The Latin American Spirit: Art and Artists in the United States, 1920 - 1970«, The Bronx Museum of the Arts, New York; 1989 »Art in Latin America: The Modern Era: 1820-1980, Hayward Gallery, London; 1991 »Experiância Neoconcreta, Rio de Janeiro 59/60«, Museu de Arte Moderna, Rio de Janeiro.

(Aus: Lateinamerikanische Kunst im 20. Jahrhundert, Katalogbuch zur Ausstellung in Köln. Prestel, München 1993)
Hélio Oiticica - 1

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